SIX Group erwägt Aufbau eines Euro-Zentralverwahrers

SIX Group erwägt Aufbau eines Euro-Zentralverwahrers

Einheitliche Wertpapier-Abwicklung durch EZB rückt näher

Die SIX Securities Services, eine Tochtergesellschaft des Finanzinfrastruktur-Anbieters SIX Group, liebäugelt mit der Gründung eines eigenen Zentralverwahrers im Euro-Raum. Wie Thomas Zeeb, CEO der SIX Securities Services, am Dienstag an einer Veranstaltung des Swiss Finance Forum for Standards and Operations in Zürich ausführte, prüfte die SIX Group sechs verschiedene Optionen, mit der man auf die Einführung von Target-2-Securities (T2S) durch die Europäische Zentralbank (EZB) im Euro-Raum reagieren könnte. Vier Optionen wurden inzwischen verworfen. Zur Debatte stünden nun noch eine volle direkte Teilnahme an T2S von der Schweiz aus oder der Aufbau eines eigenen Zentralverwahrers (Central Securities Depositary, CSD) im Euro-Raum. Vor allem die letzte Variante erachtet Zeeb als «sehr attraktiv aussehend».

Mit T2S wird ein Projekt der EZB bezeichnet, bei dem es um die Schaffung einer einheitlichen Infrastruktur-Plattform im Euro-Raum geht, auf der alle europäischen Wertpapiere grenzüberschreitend abgewickelt werden sollen. Dieses Settlement ist dem Handel und dem Clearing nachgelagert. Ursprünglich sollte T2S im September 2014 starten, inzwischen wurde der Termin aber auf Juni 2015 geschoben. Als Grund nannte EZB-Vertreter Helmut Wacket an der gleichen Veranstaltung, dass man auf Wünsche aus dem Markt nach Zusatzfunktionen und einer längeren Testphase reagiert habe.

Die grössten CSD in Europa sind Clearstream und Euroclear, andere Namen sind etwa Monte Titoli und Iberclear. Die Schweizer SIX erachtet derzeit die Chancen als gut, sich hinter den beiden Grossen als dritte Kraft zu etablieren. Gegenwärtig verhandelt die EZB mit den CSD über die Vertragsabschlüsse; sie sollen bis Sommer 2012 unter Dach und Fach sein. Als finanzielle Anreize zur frühzeitigen Unterzeichnung bietet die EZB Transaktionskosten-Reduktionen und die Befreiung von der Eintrittsgebühr.

An T2S werden alle Zentralbanken und Zentralverwahrer der Euro-Zone teilnehmen (müssen). Zudem verhandelt die EZB derzeit mit den skandinavischen Notenbanken. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) will sich nicht an T2S beteiligen, sondern die Geldsteuerung voll in ihrem Hoheitsbereich behalten. Zudem war der hiesige Finanzplatz in Sachen Teilnahme an T2S gespalten, so dass es von dieser Seite keinen Druck auf die SNB gab. Auch die Bank of England nimmt nicht teil.

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Dieser Artikel wurde am 30.11.2011 auf NZZ Online publiziert.