T2S – Auswirkungen ausserhalb der Eurozone

T2S – Auswirkungen ausserhalb der Eurozone

Target2-Securities (T2S) ist eines der grössten Infrastrukturprojekte, das je vom Eurosystem in Angriff genommen wurde. Der EZB zufolge wird ihm bei der Harmonisierung von Post-Trade-Dienstleistungen und -standards eine entscheidende Rolle zukommen. Eine kürzliche Schlagzeile in den Medien suggerierte sogar, dass T2S „der Schlüssel zur Rettung Europas“ sein könnte. Die Vorbereitungen beschränken sich allerdings nicht nur auf Teilnehmer am Wertpapiermarkt und auf Infrastrukturen innerhalb der Eurozone. In einem Interview mit Radar zieht Thomas Zeeb, CEO von SIX Securities Services, ein Fazit über die Auswirkungen von T2S auf Akteure von ausserhalb der Eurozone, die aber dennoch sehr stark in den Märkten der Region engagiert sind. Wird sich T2S zu ihren Gunsten auswirken?

Denken Sie an die Vorbereitungen auf T2S. Wie viel operativer und technischer Druck entsteht dabei für Sie und andere Mitbewerber ausserhalb der EU im Vergleich zu Akteuren innerhalb der Eurozone?

Ich glaube nicht, dass wir in technischer oder operativer Hinsicht unter einem grösseren oder geringeren Druck stehen. Jeder Zentralverwahrer (CSD) wird bedeutende technische Veränderungen vornehmen müssen, um im System einen weiteren Akteur aufnehmen zu können.

Wird dieser Aufwand mit höherer Effizienz belohnt werden?

Ehrlich gesagt hat die Abwicklung in der Vergangenheit noch nie ein grosses Problem dargestellt, da in unserem Fall die Abwicklungsrate dank unseres Straight-Through-Processing im heimischen Markt bei 99.8 Prozent lag. Das Thema steht daher in meiner Prioritätenliste nicht allzu weit oben.

Haben Sie und Ihre Kollegen ausserhalb der Eurozone, abgesehen von den technischen Verbindungen, gewisse Wahlfreiheiten, die CSDs innerhalb der Eurozone in Bezug auf T2S nicht besitzen?

Nicht wirklich, bis auf die Tatsache, dass die CSD-Funktionen in der Eurozone durch T2S quasi wiederverstaatlicht wurden, was bei uns nicht der Fall ist. Allerdings sollten wir näher definieren, was genau unter Mitbewerbern ausserhalb der Eurozone zu verstehen ist. Es sind mir nämlich keine anderen CSDs ausserhalb der Eurozone bekannt, die wie Euroclear und Clearstream innerhalb der Eurozone tatsächlich grenzüberschreitende Transaktionen anbieten. Die Auswirkungen auf uns werden daher immer etwas abweichen, wenn man die Rolle der Schweiz in Europa und die Rolle von SIX innerhalb des Schweizer Finanzsystems in Betracht zieht.

Theoretisch betrachtet, könnten wir uns gegen eine Teilnahme an T2S entscheiden, aber weil unsere grenzüberschreitenden Transaktionen nahezu ausschliesslich von Schweizer Banken stammen, die unsere Dienste für den Zugang zu diesen Märkten in der Eurozone in Anspruch nehmen, erscheint dies nicht sehr sinnvoll. Das durch den grenzüberschreitenden Geschäftsverkehr geschaffene zusätzliche Volumen ermöglicht uns zudem, die Preise im Inland niedrig zu halten. Ich könnte mich zwar theoretisch für einen Ausstieg aus dem internationalen Geschäft entscheiden – und nichts anderes würde eine Entscheidung gegen eine Teilnahme an T2S bedeuten – aber das ist eindeutig keine realistische Option.

Denn es ist kaum vorstellbar, nur zur Hälfte ein internationales Geschäft zu führen und damit Erfolg zu haben. Alle meine Kunden wären gezwungen, für ihre Transaktionen in der Eurozone einen zusätzlichen Anbieter zu suchen, und dieser Mitbewerber würde dann höchstwahrscheinlich sagen: „Ich gebe Ihnen einen guten Preis für Ihre Transaktionen in der Eurozone, aber er wäre sogar noch besser, wenn Sie mir auch alle Ihre Portfolios in USD, Yen, Pfund usw. überlassen würden.“

Ein Ausstieg aus dem EU-Geschäft würde daher auch bedeuten, unser internationales Geschäft aufzugeben. Alle Wertpapiermarkt Infrastrukturanbieter haben relativ hohe Fixkosten, um ihre Anforderungen an Integrität und Geschäftskontinuität erfüllen zu können. Ohne das durch das internationale Geschäft erzielte Volumen würden diese Kosten in vollem Umfang dem inländischen Markt anwachsen. Dies würde bedeuten, dass ich zur Deckung meiner Kosten meine Tarife für den inländischen Markt anheben müsste, und das würden meine Kunden verständlicherweise nicht allzu sehr schätzen.

Wir arbeiten ganz im Gegenteil sehr hart daran, unser Geschäftsvolumen kontinuierlich zu steigern, um die Preise im heimischen Markt niedrig halten zu können. Mein grenzüberschreitendes Geschäft verfolgt also keine „imperialistischen“ Ziele, sondern dient der Schaffung von Skaleneffekten. Für sich alleine betrachtet wäre der Schweizer Markt definitiv zu klein, um mit unseren Preisen wettbewerbsfähig zu bleiben.

Gibt es eine Möglichkeit, wie Sie Ihre Investitionen zur Vorbereitung auf T2S in einen Wettbewerbsvorteil umwandeln können?

Dazu gibt es eine kurzfristige und eine langfristige Perspektive. Kurzfristig betrachtet, kann man die Tatsache nicht verleugnen, dass alle CSDs innerhalb und ausserhalb der Eurozone grosse Geldsummen in eine Lösung investieren, die noch nach ihrem Problem sucht – und es bleibt uns keine andere Alternative, als dabei mitzumachen.

Haben Ihre inländischen Kunden – insbesondere die Schweizer Banken – eine klare Meinung über T2S, oder delegieren sie dieses Thema einfach an Sie weiter?

Alle Banken, mit denen wir gesprochen haben, egal ob es sich dabei um bestehende oder potenzielle Kunden handelt und ob sie sich innerhalb oder ausserhalb der Eurozone befinden, haben eine ziemlich vernünftige, abwartende Haltung eingenommen. Im Grunde genommen schauen sie, welche Marktinfrastruktur ihnen im Endeffekt den geeignetsten und preisgünstigsten Zugang zum T2S-Umfeld geben wird.

"Wir arbeiten ganz im Gegenteil sehr hart daran, unser Geschäftsvolumen kontinuierlich zu steigern, um die Preise im heimischen Markt niedrig halten zu können. Mein grenzüber-
schreitendes Geschäft verfolgt also keine „imperialistischen“ Ziele, sondern dient der Schaffung von Skaleneffekten."

Thomas Zeeb
SIX Securities Services

Können sie es sich denn wirklich leisten, einfach abzuwarten?

Theoretisch gesehen ja. Alles hängt von der Zusammensetzung ihres Geschäfts ab und ob sie bereit sind, die Dienste eines Intermediärs in Anspruch zu nehmen. Wenn sie direkten Zugang haben wollen, müssen sie sich während der nächsten sechs bis acht Monate Gedanken darüber machen, welche Konsequenzen das für ihre IT- und Produktentwicklung haben wird. Es gibt auch Veränderungen, die teilnehmende Banken in Angriff nehmen müssen, um das neue Abwicklungssystem wirksam nutzen zu können; hierzu gehört beispielsweise die Beibehaltung eines verlässlichen Verfahrens zum Abgleich der Bestände.

In Wahrheit haben die meisten Banken zurzeit allerdings schon auf viel grundlegenderer Ebene mehr als genug zu tun, um sowohl den wettbewerblichen als auch den regulatorischen Anforderungen gerecht zu werden. Daher haben sie zurzeit nicht das geringste Interesse daran, sich mit der Projektarbeit der Europäischen Zentralbank auseinanderzusetzen und diesbezüglich eine Menge Zeit und Geld zu investieren. Sie wollen vielmehr, dass wir uns für sie darum kümmern und die Umsetzung so einfach und transparent wie möglich gestalten.

Was könnten die langfristigen Vorteile sein?

Ich glaube, dass es einen Mehrwert geben wird, aber es wird noch etwas länger dauern, bis sich dieser manifestiert. Der entscheidende Punkt ist die Konsolidierung, die an Fahrt gewinnen dürfte, wenn Target2-Securities erst einmal steht und in Betrieb ist. Ich glaube, dass die kleineren und weniger flexiblen CSDs in der Eurozone mit der Zeit Probleme mit ihrer Wettbewerbsfähigkeit bekommen werden. Wenn Sie Ihre Sicherheiten bei einem grösseren CSD bündeln, erreichen Sie eine höhere Effizienz. Ausserdem hindert Sie niemand daran, kleinere Transaktionen über einen Anbieter abzuwickeln, der Zugang zu mehreren Märkten hat.

Ich halte daher eine Konsolidierung für unvermeidbar. Wenn es schliesslich dazu kommt – und es wird wohl noch ein paar Jahre dauern – wird sich uns eine gute Möglichkeit bieten, solche Kunden an Bord zu holen. Am Ende dürften nur zwei oder drei andere Akteure übrig bleiben. Ein wesentlicher Faktor, um zu dieser kleinen Gruppe gehören zu können, wird darin bestehen, wie effizient man die Sicherheiten zwischen den verschiedenen Pools innerhalb und ausserhalb der Eurozone verwalten kann.

Die Branchenakteure sehen sich zurzeit mehreren miteinander verbundenen Zwängen ausgesetzt: massiver Kostendruck, strengere Regulierung und, damit einhergehend, potenzielle Liquiditätsbeschränkungen. Zur Bewältigung dieser Herausforderungen ist es notwendig, die Sicherheiten so effizient wie möglich zu verwalten. Vor diesem Hintergrund konzentrieren wir unsere Anstrengungen darauf, eine überzeugende Lösung für die Verwaltung von Sicherheiten über mehrere Sicherheitenpools weltweit anzubieten und dabei die operativen Auswirkungen für unsere Kunden so gering wie möglich zu halten. Dabei ist T2S lediglich ein Teil des Puzzles.

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T2S – the bigger picturee, Englisch

No. 4 - Welcome to the fourth edition of Radar - Page 19: T2S – the bigger picturee