Radar - Let's get talking.

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Radar hat Thomas Zeeb, CEO von SIX Securities Services, gefragt, warum sich SIX Securities Services als Nicht-EU-Institut proaktiv mit T2S befasst hat.

Welchen Nutzen verspricht SIX Securities Services seinen Kunden, denen der Zugang zu T2S als Nicht-EU-Infrastruktur angeboten wird? Gibt es unterschiedliche Kundengruppen, die anders von der Verwendung von SIX profitieren?

Meiner Ansicht nach ist der Nutzen aus der Verwendung von SIX überhaupt nicht damit verbunden, dass wir uns ausserhalb der EU befinden. Der Nutzen ergibt sich aus den Wahlmöglichkeiten bei der Depot- und Kontenstruktur, die wir unseren Kunden anbieten. Wir müssen unseren Kunden zunächst eine hohe Flexibilität bei ihrer Entscheidung geben, wie sie die Wertschriftenabwicklung über Target2-Securities durchführen möchten.

Damit in Zusammenhang steht das Management der Sicherheiten und Barmittel an den verschiedenen Märkten: Wir können Kunden mit einer anderen Landeswährung als Euro – aus der Schweiz oder einem anderen Land – fortwährend und nach Bedarf die Abwicklung über die Zentralbank in Euro anbieten. Was das Collateral-Management angeht, können wir von unseren vorhandenen Fähigkeiten profitieren, Sicherheiten an den gewünschten Ort zu verlagern. Das tun wir heute bereits. Ein Kunde kann so Wertschriften in Norwegen kaufen und in Paris verkaufen – unser System stellt automatisch sicher, dass die Wertschriften zur Auslieferung in den neuen Ort verfügbar sind.

Zu guter Letzt können wir als CSD sehr gut die Vermögenswerte betreuen, sobald sie im Portfolio sind, auch auf internationaler Basis. Den Kunden steht es natürlich frei, jeden anderen T2S-CSD zu nutzen, die grosse Mehrheit verfügt jedoch über nur geringe Erfahrung mit der grenzüberschreitenden Abwicklung, vom Umgang mit Corporate-Actions aus einem anderen Land mal ganz abgesehen. Die steuerlichen Angelegenheiten sind komplex und mit einem hohen Mass an Verantwortung verbunden. Fehler kann man sich nicht leisten. Meiner Meinung nach ist es illusorisch anzunehmen, man könne aus dem Stand heraus innerhalb von drei Jahren kompetent in einem grenzüberschreitenden Umfeld tätig werden.

Ich bin davon überzeugt, dass in diesem Bereich die Karten neu geordnet werden und letztlich drei, vielleicht auch vier Marktteilnehmer übrig bleiben werden, die in der Cross-Border-Arena von Bedeutung sein werden.

Hatten Sie also bei der Entwicklung der Strategie für T2S die Bedürfnisse der Stammkunden im Sinn?

Zuallererst hatten wir folgende Frage im Sinn: „Was bedeutet das für den Schweizer Finanzplatz und die Banken hier?“ Abgesehen von unseren Zielen im grenzüberschreitenden Umfeld ist unsere wichtigste Aufgabe nach wie vor, unseren Teilnehmern hier nach Schweizer Recht einen Zugang zum internationalen Umfeld bereitzustellen, zumindest als Eintrittspunkt.

Zwar haben die grössten Marktteilnehmer andere Alternativen – sie können sich direkt an jeden gewünschten Markt begeben, obwohl das bisher noch nicht eingetreten ist – den kleinen und mittelständischen Banken bleibt diese Option jedoch verschlossen. Historisch gesehen gehört es zu unserem Hauptverantwortungsbereich als Infrastruktur, diesen Zugang für den gesamten Markt anzubieten.

Der zweite Punkt, den wir berücksichtigt haben, war, wie wir von unseren vorhandenen Möglichkeiten zum Collateral-Management profitieren können, da wir bereits der Sicherheitenverwalter für die Schweizerische Nationalbank sind. Und drittens, offen gesagt, war das einfach eine Chance für uns. Ich denke, SIX SIS wurde in der Branche stets so gesehen, dass das Unternehmen sich zwar recht gut positioniert hat, aber nie konkret auf die Spitzenposition aus war. SIX SIS hat in allen möglichen Arbeitsgruppen Ideen eingebracht – ECSDA, die T2S-Arbeitsgruppen, davor die Giovanni-Arbeitsgruppen – aber diese Erfahrungen nie wirklich genutzt.

Was haben Ihre Kunden davon?

Zeeb: Langfristig gesehen, niedrigere Preise in der Eurozone.Z: Over time, lower prices in the Eurozone.

Das ist alles?

Zeeb: Sie erhalten ein effizienteres Cash- und Collateral-Management sowie ein umfassendes Asset-Servicing, aber diese Dienstleistungen wurden auch schon davor angeboten. Ich wäre überrascht, wenn die Preise für das Asset-Servicing nicht entsprechend steigen würden, aber das wäre auch in gewissem Umfang durch die höheren Kosten für die Erfüllung der Rechtsvorschriften gerechtfertigt. In Zusammenhang mit den Meldepflichten und Stress-Tests werden die fixen Gemeinkosten steigen.

Unsere Teilnahme ist freiwillig, denn die Schweizerische Nationalbank hat sich mit dem Schweizer Franken T2S nicht angeschlossen. Theoretisch könnten wir sagen: „Als Schweizer CSD interessiert uns das nicht.“ Allerdings müssten sich dann unsere Kunden aus der Schweiz, die grenzüberschreitend tätig sind, nach einem neuen Anbieter umsehen.

 

 

 

“Ich bin davon überzeugt, dass in diesem Bereich die Karten neu geordnet werden und letztlich drei, vielleicht auch vier Marktteilnehmer übrig bleiben werden, die in der Cross-Border-Arena von Bedeutung sein werden.”

Thomas Zeeb
SIX Securities Services

Gibt es unter den Schweizer Finanzinstituten einen Konsens über ihre Erwartungen bezüglich T2S oder ihre Erwartungen an Sie?

Zeeb: Nicht wirklich. Sie wollen, dass T2S im Idealfall spurlos an ihnen vorüber geht, so wie sie bei einem Wechsel meines Subcustodians in einem bestimmten Markt auch nicht davon betroffen wären. Natürlich ändert sich etwas mit Target 2-Securities, die Abwicklung erfolgt in Zentralbankgeld und nicht länger in Geld der Geschäftsbanken. Die Kontenstrukturen werden höchstwahrscheinlich angepasst werden müssen, was möglicherweise Folgewirkungen auf die Abwicklungs- und Abstimmungsprozesse haben wird. Die Banken müssen eine grundlegende Entscheidung treffen: Wollen sie ein Direktteilnehmer bei T2S sein oder wollen sie über uns oder über einen anderen Anbieter teilnehmen? Abhängig von dieser Entscheidung müssen sie ihre Meldungs- und Kontenstrukturen überprüfen. Wir geben ihnen dafür die passenden Tools an die Hand, damit sie feststellen können, ob Programmierungsänderungen erforderlich sind. Allerdings ist in dieser Hinsicht noch nicht viel passiert.

Wie bereiten uns gerade auf die nächste Welle der Sensibilisierung in den höheren Ebenen der Banken vor. Unsere Aussage lautet: „Das ist nicht einfach eine operationelle Angelegenheit. Sie müssen darüber nachdenken. Wenn Sie feststellen, dass sie im vierten Quartal 2015 zum Beispiel italienische Wertschriften nicht mehr abwickeln können, was werden Sie dann Ihren Kunden sagen?“ 

Uns ist klar, dass die Banken gerade dringendere Probleme haben, aber diese Angelegenheit sollte auf strategischer Ebene angegangen werden, mindestens im Rahmen der ersten Entscheidungsprozesse. Auf operationeller Ebene können wir dann die Banken bei der Umsetzung dieser Entscheidungen unterstützen. 

Gibt es aus Sicht des Collateral-Management etwas, dass Sie Ihren Kunden durch die Implementierung von T2S anbieten können?

Beide Bereiche profitieren voneinander, aber sie sind nicht miteinander verknüpft. Wir bieten zwar erstklassige Leistungen im Collateral-Management an, die mit T2S an Bedeutung gewinnen werden, aber diese Leistungen sind nicht von T2S abhängig. Im Rahmen eines gemeinsamen Projekts mit der Schweizerischen Nationalbank entwickeln wir die nächste Generation einer Collateral-Management-Plattform, die für den Markt eine erweiterte Funktionalität bereithalten wird. Ob mit oder ohne T2S, wir würden daran ohnehin weiterarbeiten. Das eine ist von dem anderen unabhängig. •