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Obwohl T2S als Projekt der Eurozone gesehen wird, zieht es auch ausserhalb Europas das Interesse auf sich.

TARGET2-Securities (T2S), die Plattform zur Wertschriftenabwicklung, die zur Harmonisierung der europäischen Abwicklungsinfrastruktur entwickelt wurde, wird in weniger als einem Jahr, voraussichtlich am 25. Juni 2015 in Betrieb genommen. Die erste Migrationsphase soll im Jahr 2017 abgeschlossen sein. Zu den Teilnehmern der ersten Phase gehören einige – nicht alle – CSDs der Eurozone sowie SIX SIS aus der Schweiz. T2S ist ein freiwilliges Harmonisierungsprojekt, das weder auf die Eurozone noch auf die EU oder auf die europäische Einheitswährung beschränkt ist.

Mit dem Ziel der Harmonisierung ist T2S in der Lage, die europäischen Grenzen zu überwinden und für europäische und aussereuropäische Anleger und ihre Finanzintermediäre den Zugang zu einer europaweiten Wertschriftenabwicklung zu schaffen. «Die Frage ist, wo hören wir auf?» bemerkt Jean-Michel Godeffroy, Vorsitzender des Programmvorstands von T2S bei der Europäischen Zentralbank. «Wir hören nicht so sehr an der Grenze Europas auf, sondern an der Grenze der Länder, in der mehr oder weniger dieselbe Finanzgesetzgebung gilt wie in Europa. Eine Voraussetzung für die Teilnahme an T2S ist die Kompatibilität der gesetzlichen Rahmenbedingungen des Landes mit der betreffenden EU-Gesetzgebung.» Nicht von ungefähr ist die Gesetzgebung der Schweiz mit der in der EU vereinbar. Godeffroy führt fort: «Ich gehe davon aus, dass sich T2S weiter ausbreiten wird, aber aufgrund dieser Anforderung bezüglich der Rechtssysteme werden die Grenzen dieser Ausdehnung wohl die europäischen Grenzen sein.»

Eine Reihe von CSDs ausserhalb der Eurozone haben sich zur Teilnahme an T2S verpflichtet. Das Projekt ist offenbar flexibel, wenn die Kernvoraussetzung der rechtlichen Kompatibilität erfüllt ist. Godeffroy fasst die frühen Planungsphasen des Projekts zusammen: «T2S war zunächst als Lösung für die Fragmentierung innerhalb der Eurozone gedacht. Danach hat der EU-Ministerrat beschlossen, dass T2S für die Abwicklung in anderen Währungen als dem Euro in der EU offen ist. Nachdem dieser Schritt vollzogen war, erhielten wir eine Anfrage aus der Schweiz von SIX SIS und wir entschieden uns, T2S auch auf Nicht-EU-Länder in Europa auszuweiten.»

Diese Offenheit ist auf reges Interesse gestossen. «Ausserhalb der Eurozone haben wir eine Reihe von CSDs, zum Beispiel in der Schweiz, in Ungarn und Rumänien, die an T2S teilnehmen werden. Vorerst wird bei diesen CSDs die Abwicklung in Euro erfolgen,» sagt Godeffroy.


«Eine Voraussetzung für die Teilnahme an T2S ist die Kompatibilität der gesetzlichen Rahmenbedingungen des Landes mit der betreffenden EU-Gesetzgebung.»

Jean-Michel Godeffroy
ECB

Jenseits des Euro

Am meisten ist vielleicht hervorzuheben, dass die über T2S harmonisierte Abwicklung in Europa in mehreren Währungen möglich ist. Godeffroy erläutert: «In Dänemark haben wir einen Sonderfall, weil Dänemark die eigene Landeswährung in T2S einbringen wird. Dänemark wird in Euro abwickeln, aber auch in Dänischer Krone.» Dänemark wird 2018, wenn die erste Migration abgeschlossen ist, an T2S teilnehmen. «Das ist ihre Entscheidung,» stellt Godeffroy fest. «So haben die Dänen auch Zeit für die Vorbereitung auf T2S. Sie haben sich zur Teilnahme verpflichtet, aber nicht vor 2018.»

T2S hat Lücken, aber auch diese können in T2S geschlossen werden. «Wir vermissen den irischen Markt, der in Euroclear UK & Ireland abwickelt, die nicht an T2S teilnehmen wird», bemerkt er. «Auch Helex in Griechenland fehlt, die vorerst nicht teilnehmen wird, ebenso Zypern, weil Zypern die Helex-Plattform nutzt. Das ist allerdings nur von relativ untergeordneter Bedeutung.»Denmark’s commitment-in-advance to join T2S in 2018 is unusual. Godeffroy has heard “positive news” from Scandinavia and eastern Europe about other countries’ interest in joining the platform, but so far, this interest falls short of commitment. “We do expect other countries to follow, but they have no incentive to make a decision now. I think they prefer to wait and see,” says Godeffroy. “Until 2017 we are fully booked and cannot take anybody else on board, so a number of countries outside are looking carefully to what happens; in some cases it’s very likely that they will join T2S if it functions well. But for the moment, there is a lot of wait and see.”

Die Vorabverpflichtung Dänemarks, ab 2018 teilzunehmen, ist ungewöhnlich. Godeffroy hat «gute Nachrichten» aus Skandinavien und Osteuropa vernommen, dass auch andere Länder Interesse an der Teilnahme an der Plattform zeigen. Bisher haben sich jedoch noch keine konkreten Verpflichtungen aus diesem Interesse ergeben. «Wir gehen davon aus, dass auch andere Länder teilnehmen werden, bislang haben sie jedoch keine Veranlassung, eine Entscheidung zu treffen. «Ich denke, sie warten erst einmal ab», meint Godeffroy. «Wir sind bis 2017 voll ausgebucht und können keine weiteren Teilnehmer aufnehmen, daher werden einige Länder ausserhalb der Eurozone die Entwicklungen genau beobachten, und in einigen Fällen werden die Länder wohl teilnehmen, wenn sie feststellen, dass T2S gut funktioniert. Im Moment herrscht jedoch erst einmal Abwarten und Beobachten vor.»


 

 

 

«Was vielleicht eine Möglichkeit sein könnte, wäre ein Klonen unseres Systems, um anderen Regionen bei ihren Integrationsplänen zu helfen» 

Jean-Michel Godeffroy
ECB

Vorreiter

Vieles wird davon abhängen, ob der Vorlauf zur ersten Migration erfolgreich abgeschlossen wird, vom jetzigen Zeitpunkt bis Juni 2015, und anschliessend von einer erfolgreichen ersten Migrationsphase zwischen 2015 und 2017. Die CSDs, die eine abwartende Haltung einnehmen, sollten jedoch nicht zu lange warten, bevor sie ihr Interesse an einer Teilnahme bekunden. Die erste Phase der Migration ist laut Godeffroy «ausgebucht» und möglicherweise werden auch schon Reservierungen für die zweite Phase entgegengenommen. Nach Godeffroy ist mit offiziellen Interessenbekundungen bis Ende 2015 zu rechnen. Warum ist das so? «Weil wir einerseits zu diesem Zeitpunkt schon absehen können, ob T2S richtig funktioniert oder nicht – und es ist natürlich sehr wichtig für Neueinsteiger, sich darauf verlassen zu können, bevor sie mit uns einen Vertrag abschliessen – und zum anderen werden wir bis dahin wahrscheinlich bekannt gegeben haben, dass wir eine neue Migrationswelle vorbereiten. Bis Ende des nächsten Jahres oder Anfang des darauffolgenden Jahres werden CSDs einen Anreiz erhalten, ihr Interesse zu erklären, so dass sie für die Migration im Jahr 2018 oder 2019 vorgemerkt werden können.»

Wenn T2S den Weg zu einer harmonisierten Wertschriftenabwicklung in Europa im weitestgehenden Sinn bereitet, stellen sich zwei neue Fragen. «Wenn T2S einmal die europäische Lösung geworden ist, wie sieht dann die Schnittstelle zur übrigen Welt aus?» überlegt Godeffroy. «Gibt es eine Möglichkeit, dass T2S auch in anderen Ländern der Welt genutzt werden könnte?»

Die EZB hat bereits Interessenbekundungen von aussereuropäischen Ländern erhalten, insbesondere aus Asien. «Wir haben bereits Gespräche mit Akteuren aus Asien aufgenommen, um zu eruieren, ob T2S als Infrastruktur eine Lösung für die asiatischen Integrationspläne auf regionaler Ebene sein könnte,» erklärt er. Mit diesen Gesprächen wird nicht beabsichtigt, asiatische Länder in T2S in der Form aufzunehmen, die in Europa eingeführt wird. Unterschiedliche Zeitzonen und andere Unvereinbarkeiten, wie etwa abweichende Rechtssysteme, würden eine solche Initiative schwer machen. «Was vielleicht eine Möglichkeit sein könnte, wäre ein Klonen unseres Systems, um anderen Regionen bei ihren Integrationsplänen zu helfen», schlägt Godeffroy vor.

Eine Überlegung hier ist, dass mit der Bereitstellung eines «T2S Asien»-Klons von «T2S Europa» Einkünfte erzielt werden könnten. «Wir könnten eine Preiserhöhung für T2S vermeiden und vielleicht sogar die Gebühren für T2S senken», sagt Godeffroy. Eine für einzelne Regionen harmonisierte Wertschriftenabwicklung, zwischen Abwicklungssystemen, die einen gemeinsamen Überbau haben, wäre eindeutig mit betrieblichen Effizienzsteigerungen verbunden. Godeffroy fasst den Standpunkt der EZB aus der Jahresmitte 2014 zusammen: «Die wichtigste Feststellung ist, dass alles auf einem guten Weg ist, auch wenn wir uns gerade in einer angespannten Phase befinden, weil noch einiges zu bewältigen ist, bevor im nächsten Jahr die erste Migrationswelle beginnt.» •