One size fits one – jährliches Post-Trade-Forum in London

One size fits one – jährliches Post-Trade-Forum in London

Am 21. Mai richtete SIX Securities Services ihr jährliches Post-Trade-Forum in London aus. Dabei standen zwei Themengebiete im Mittelpunkt: T2S und Collateral-Management.

Christophe Lapaire, Leiter des T2S-Programms bei SIX Securities Services, hat die Delegierten zielführend und ohne unnötige Panikmache auf eine mögliche Verzögerung der für Juni geplanten T2S-Einführung vorbereitet – es ist immer gut, die Erwartungen zu steuern. Der übrige Nachmittag war der Diskussion um die Herausforderungen und Chancen im Bereich Collateral-Management gewidmet.

Die ISSA (International Securities Services Association, eine führende Vertretung der internationalen Wertschriftenindustrie) hat sich aktiv um die Förderung eines gemeinsamen Verständnisses der Collateral-Management-Prozesse bemüht. Angus Fletcher, Head of Market Advocacy, Global Transaction Bank, Deutsche Bank, der die Arbeitsgruppe Collateral-Management der ISSA leitet, gab einen Überblick über die Arbeit der ISSA.

Thema der Podiumsdiskussion unter der Leitung von Dr. Richard Schwartz, Consulting Editor des Global Custodian Magazine, war das Ausloten der Chancen in einem Europa nach T2S und EMIR. Zu viele gute Neuigkeiten können verdächtig sein.Daher befasste sich die Gruppe den grössten Teil der Stunde mit der Erörterung diverser Herausforderungen, die das Collateral-Management heute für die Beteiligten in den verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette bereithält.

Neben Christophe Lapaire und Angus Fletcher nahmen zwei weitere hochkarätige Teilnehmer an der Podiumsdiskussion teil: Robert Almanas, Head Strategic Alliances, SIX Securities Services und Adam Husted, Head of Clearing and Business Development, CME Clearing Europe Ltd. In der Diskussion wurde schnell deutlich, dass eine koordinierte Herangehensweise an das Collateral-Management schon in einem einzelnen Unternehmen schwierig genug ist, ganz zu schweigen von der Wertschriftenbranche insgesamt.

Dabei wurde festgestellt, dass die Aktivitäten im Collateral-Management mehr oder weniger durch mindestens eines der drei grossen R bestimmt werden: Regulierung («regulation»), Risiko («risk») und Regelmässige Einnahmen («revenue»). Weniger offensichtlich war, ob innerhalb eines Unternehmens dieselben Personen für die Ausarbeitung der Collateral-Management-Strategie aus den drei Blickwinkeln verantwortlich sind.

Tenor der Diskussion war zudem, dass die Regulierung – insbesondere die neuen Vorschriften für das Risiko-Reporting – vermutlich eine stärkere Koordinierung zwischen den einzelnen Unternehmen erfordern wird. Die Teilnehmer wehrten sich jedoch gegen die Annahme, die offenbar einige Aufsichtsbehörden vertreten, dass eine grössere Transparenz bei der Kontenstruktur zwangsläufig zu einem besseren Schutz führt.

Anleger, die Sicherheiten im Rahmen ihrer Clearing-Aktivitäten hinterlegt haben, wollen diese auch bei Marktstörungen gesichert wissen – so beim Ausfall eines Teilnehmers im multilateralen Prozess. Die Auffassung, dass dafür eine vollständige Segregierung aller Konten auf allen Ebenen bis hin zum CSD notwendig ist, zeigte sich als wackelig. Es besteht ein klarer Unterschied zwischen der Möglichkeit einer vollständigen Segregierung – für einige Kunden eine notwendige Voraussetzung – und der Überzeugung, dass diese Lösung für alle gleichermassen geeignet ist.

Eine exponenziell wachsende Anzahl von Konten, die eine tägliche Kontenabstimmung erfordern, ist nicht zwingend ein Rezept für Effizienz. Je mehr Konten eine Transaktion durchlaufen muss, desto höher ist das Transitrisiko und desto höher ist aus Sicht der Datenpflege auch der administrative Aufwand. Es sollte dem jeweiligen Eigentümer oder Verwalter der Vermögenswerte überlassen werden, für jede verfügbare Option die relativen Kosten und Risiken gegeneinander abzuwägen. Die Aufgabe der Intermediäre ist, im Rahmen der Regulierungsvorschriften eine möglichst breite Vielfalt von Optionen anzubieten.

Es ist ein naheliegender Wunsch, dass eine Konferenz mehr Antworten als Fragen hinterlassen soll. Manchmal kann es aber sinnvoll sein, vor der Routenplanung die Verkehrslage zu prüfen und sich nicht einfach nur auf das Navi-System zu verlassen.