Der Brexit wird die Kapitalmarktunion voranbringen.

Der Brexit wird die Kapitalmarktunion voranbringen.

Gemäss einer Umfrage von SIX Securities Services glauben mehr als die Hälfte der befragten Finanzinstitute (53%), dass die Pläne für eine Kapitalmarktunion («Capital Markets Union», CMU) im Zuge des Brexit schneller umgesetzt werden.

Die Frage, ob das Euro-Clearing nach dem Brexit in London verbleiben wird, ist seit der Abstimmung zum Austritt aus der EU im Jahr 2016 ein zentrales Thema der Brexit-Verhandlungen. Abgesehen vom Fragezeichen, das über diesem Thema schwebt, zeigt die Studie von SIX Securities Services, dass die Finanzinstitute offenbar weitreichendere Bedenken haben.

Mehr als die Hälfte der Finanzinstitute in Europa (53%) glaubt, dass der Aufbau der CMU dank Brexit schneller vorankommen wird, und vier von zehn Unternehmen sind der Meinung, dass die CMU innerhalb von zwei Jahren eine Lösung für die Verfügbarkeit von Sicherheiten bereitstellen wird. Buy-Side-Unternehmen sind optimistischer als die Sell-Side: 53% der Buy-Side-Befragten glauben, dass diese Entwicklung das Problem der begrenzten Verfügbarkeit von qualitativ hochwertigen Sicherheiten «ziemlich bald» lösen wird, während 70% der Sell-Side-Befragten davon überzeugt sind, dass eine derartige Lösung kurzfristig nicht abzusehen ist. Ein Grund, warum die CMU als mögliche Lösung für dieses Problem angesehen wird, liegt darin, dass sie es der Europäischen Kommission ermöglichen wird, Unternehmensanleihen ähnlich dem US-Modell auf den Märkten zu platzieren und so den Nachfragedruck für Sicherheiten zu verringern.

Die Umfrageteilnehmer wurden auch gefragt, ob sie sich darauf vorbereiten, nach dem Brexit einen Teil ihrer Handels- und Clearing-Aktivitäten und ihrer Sicherheiten in ihre jeweiligen Währungszonen zurückzuführen. 45% der befragten Unternehmen gaben an, diesbezüglich Vorbereitungen zu treffen und beabsichtigen, über die Hälfte ihrer Aktivitäten zu verlagern (53%). Grössere Unternehmen mit einem verwalteten Vermögen von über USD 100 Mrd. sind am ehesten bereit, ihre Tätigkeiten zu verlegen (61%), während nur 38% der Unternehmen mit einem verwalteten Vermögen von weniger als USD 50 Mrd. die Verlegung ihrer Handelsaktivitäten planen.

Ich bin davon überzeugt, dass die Prinzipien und Absichten, die hinter der CMU stehen, langfristig für die EU wirtschaftlich und handelspolitisch sinnvoll sind. Ob der Brexit die CMU tatsächlich beschleunigen wird, davon bin ich weniger überzeugt. Das Kapital wird an einen Ort transferiert, an dem der Markt es am besten schnell und effizient nutzen kann. In dieser Hinsicht sehe ich die EU nicht als einzige Option an.
Internationale Unternehmen werden auch andere Standorte auf der Grundlage ihrer spezifischen Geschäftsmodelle evaluieren, darunter möglicherweise New York, Singapur oder sogar die Schweiz. Es scheint, dass die Einheit der EU zunehmenden Belastungen ausgesetzt ist und ich denke, dass sowohl das Vereinigte Königreich als auch die EU darüber sehr besorgt sein sollten. Die Verlegung spezifischer Funktionen, beispielsweise des Handels, vom Vereinigten Königreich in andere Länder, ist meines Erachtens möglicherweise irreführend. Finanzdienstleistungen sind heute ein so globales Geschäft, dass ich glaube, dass der Ort, an dem die Dienstleistungen erbracht werden, davon abhängt, wo die besten und qualifiziertesten Fachpersonen zu finden sind. Dieses Know-how und diese Ressourcen lassen sich nicht so einfach anderswo replizieren.

Thomas Zeeb, Division CEO, SIX Securities Services