Die Finanzindustrie geht davon aus, dass bis zu 40% der OTC-Derivatgeschäfte unbesichert sind.

Die Finanzindustrie geht davon aus, dass bis zu 40% der OTC-Derivatgeschäfte unbesichert sind.

Eine von SIX Securities Services in Auftrag gegebene europaweite Branchenstudie hat ergeben, dass mehr als acht von zehn (85%) Finanzinstituten glauben, dass bis zu 40% aller OTC-Derivatgeschäfte nicht besichert sind. 14% behaupten sogar, dass zwischen 40 und 60% dieser Transaktionen komplett unbesichert sind.

Die Finanzinstitute wurden auch gefragt, ob sich dies vor 2019 ändern könnte. Drei Viertel der Befragten (75%) gehen davon aus, dass 60 bis 100% aller OTC-Derivatgeschäfte innerhalb der nächsten zwei Jahre besichert werden, aber nur 23% aller Befragten glauben, dass 80% und mehr bis dahin mit Sicherheiten gedeckt sein werden.

In den letzten Jahren hat die Europäische Marktinfrastrukturverordnung («European Market Infrastructure Regulation», EMIR) den Finanzmarktteilnehmern eine Reihe von Pflichten auferlegt. So müssen diese bestimmte Klassen von OTC-Derivatgeschäfte über zentrale Gegenparteien («Central Counterparties», CCPs) clearen lassen und neue Massnahmen zur Risikominderung anwenden. Die Reform soll bis September 2020 umgesetzt werden.

Diese Ergebnisse überraschen nicht, da die Märkte für OTC-Derivate derzeit erheblichen Veränderungen unterworfen sind. Es wird jedoch erwartet, dass auch nach Umsetzung aller Komponenten der Reform ein Teil des OTC-Derivatemarktes (insbesondere für nicht standardisierte Derivate wie Rohstoffe) nicht zentral gecleart werden wird.

Der Derivatehandel unterliegt unter anderem einem zunehmenden Kostendruck. Es ist offensichtlich, dass der Handel teurer wird und die Kosten für Sicherheiten infolge der erweiterten regulatorischen Anforderungen und einer stärkeren Nachfrage steigen werden.
Zur Optimierung der Bilanzausnutzung sind insbesondere für Unternehmen mit manuellen Prozessen zur Sicherheitenhinterlegung stärker automatisierte und kosteneffizientere Triparty-Dienstleistungen erforderlich. Möglicherweise müssen sie von der monatlichen auf die tägliche Hinterlegung von Sicherheiten umstellen. Unser Engagement in dieser Hinsicht besteht darin, voll integrierte Front-to-Back-Lösungen anzubieten, die branchenweit Skaleneffekte erzeugen.

Tomas Kindler, Head Financial Center Services und Mitglied der Geschäftsleitung von SIX Securities Services

Weitere Ergebnisse der Studie unterstreichen die Notwendigkeit einer stärkeren Mobilisierung marktfähiger Sicherheiten. 42% der Befragten würden komplexe, undurchsichtige Sicherheiten von geringerer Qualität akzeptieren, solange sie billig sind. Im Vergleich zur letzten Collateral-Studie von SIX Securities Services hat sich die Zahl der Finanzinstitute, die bereit sind, billige Sicherheiten zu akzeptieren, um über 10% erhöht.