Studie zeigt Diskrepanz zwischen Collateral-Management-Experten und IT-Entscheidungsträgern auf.

Studie zeigt Diskrepanz zwischen Collateral-Management-Experten und IT-Entscheidungsträgern auf.

Die Ergebnisse einer paneuropäischen Studie deuten darauf hin, dass die beiden Gruppen bei Fragen wie dem Preis von Sicherheiten, der HQLA-Knappheit und den zukünftigen Herausforderungen für die Collateral-Management-Branche nicht auf Augenhöhe sind.

Eine von SIX Securities Services in Auftrag gegebene europaweite Branchenstudie hat die unterschiedlichen Positionen von IT-Entscheidungsträgern und Collateral-Management-Experten zu einer Reihe von zentralen Themen deutlich gemacht. Diese Kluft zeigt sich am deutlichsten bei der Einschätzung der Verfügbarkeit hochwertiger liquider Aktiva («High-Quality Liquid Assets», HQLA). 

Die überwiegende Mehrheit der befragten Collateral-Management-Experten sieht hier ein Defizit, aber nur 47% der IT-Entscheidungsträger sehen das auch so. 63% der befragten Collateral-Management-Experten gaben sogar an, dass ein erheblicher Mangel besteht, während nur 17% der befragten IT-Entscheidungsträger diese Ansicht vertreten. Die Diskrepanz wird innerhalb der Sell-Side-Institute besonders deutlich: Hier beträgt die Abweichung 47%, bei den Buy-Side-Instituten beträgt diese nur 17%.

Die unterschiedlichen Auffassungen zwischen den beiden Spezialgebieten erstrecken sich auch auf die Beurteilung der Collateral-Qualität: 53% der IT-Entscheidungsträger würden komplexe, undurchsichtige Sicherheiten von geringerer Qualität akzeptieren, solange sie billig sind, während nur 30% der befragten Collateral-Management-Experten diese Ansicht vertreten. 

Umgekehrt sind fast zwei Drittel (60%) der Collateral-Management-Experten der Meinung, dass Sicherheiten unkompliziert, qualitativ hochwertig, liquide und leicht bewertbar sein müssen. Lediglich 13% der IT-Entscheidungsträger stimmen zu, dass Sicherheiten unkompliziert sein müssen, während 33% der Meinung sind, dass die Collateral-Kosten «das Einzige sind, was zählt.» Wenn auch die Collateral-Management-Experten ein tieferes Verständnis für die Anforderungen an Sicherheiten haben dürften, so gibt doch das Ausmass der Diskrepanz zwischen diesen beiden Gruppen Anlass zur Besorgnis für die Branche, insbesondere im Hinblick auf künftige Herausforderungen. 

57% der IT-Entscheidungsträger sind der Auffassung, dass in der Praxis Sicherheiten von geringerer Qualität zukünftig die grösste Aufgabe bei der Collateral-Optimierung darstellen. Die grösste Sorge für Collateral-Management-Experten (70%) ist jedoch, dass die Kosten für Ausleihungen steigen und dadurch die Kosten für die Besicherung von OTC-Geschäften zu hoch werden, damit eine Handelsaktivität rentabel ist.

Die Collateral-Management-Experten sehen sich einem Mangel an qualitativ hochwertigen Sicherheiten und einer zunehmenden Komplexität gegenüber. Die internen IT-Entwicklungsabteilungen der Finanzunternehmen sind gefordert, Schritt zu halten. Mit der fortschreitenden Ausweitung dieser Fähigkeitslücke werden Finanzinstitute zunehmend mit externen Anbietern zusammenarbeiten, die ihre Anforderungen erfüllen können. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich die IT-Entscheidungsträger heute mehr mit den Release-Timelines ihrer Anbieter beschäftigen als mit dem Aufbau eigener Entwicklungskapazitäten. Dies kann tatsächlich eine gute Sache sein, da es den Collateral-Management-Experten ermöglicht, neue Lösungen schneller zu entwickeln, weil sie das Problem tatsächlich auslagern können. Davon kann die gesamte Branche nur profitieren.

Raphael Heuberger, Head Products & Operations, SIX Securities Services (SIX Repo)