Ein im März 2018 von McKinsey veröffentlichter Bericht legt nahe, dass sich die globale Wertschriftenindustrie in den nächsten fünf Jahren stärker als in den letzten zwei Jahrzehnten verändern wird, da sie neue Technologien wie Automatisierung und Robotik, erweiterte Analytik und die Distributed-Ledger-Technologie (DLT) integrieren wird. Im Bericht mit dem Titel «A calm surface belies transformation in securities services» (Eine ruhige Oberfläche täuscht über den Wandel der Wertpapierindustrie hinweg) wird festgestellt, dass in den Bereichen Verwahrung und Fondsverwaltung im letzten Jahrzehnt ein anhaltender Margendruck verzeichnet wurde. In den nächsten Jahren werden jedoch steigende Vermögenswerte und höhere Nettozinserträge diesen Druck durch eine Zunahme der Brancheneinnahmen um rund 3% pro Jahr ausgleichen. Zum Erfolg werden jedoch «massive Investitionen in fortschrittliche Analytik, Automatisierung und Robotik und andere neue Technologien sowie in innovative Dienstleistungen in den Bereichen Datentransparenz, Risikomanagement und regulatorische Meldepflichten erforderlich sein. Unternehmen, die keine klaren strategischen Positionen haben und weiterhin nur geringe und taktische Effizienzgewinne erzielen, werden mit dem Industriewandel untergehen.»

Sind diese Bemühungen in der Industrie erkennbar?

Im Jahr 2017 hat SIX eine Studie über Ansätze zu neuen Technologien in der Finanzdienstleistungsbranche in Auftrag gegeben. Im September und Oktober 2017 wurden 60 Entscheidungsträger bei Finanzinstituten, darunter Leiter der Bereiche Custody, Operations sowie Collateral Management in den USA, Grossbritannien, Deutschland und der Schweiz befragt, um ihre Erwartungen an den Einsatz von Technologien wie künstliche Intelligenz (KI) und Robotik-Prozessautomatisierung (RPA) in der Wertschriftenindustrie in den kommenden Jahren zu ermitteln.

Abgesehen von RPA experimentieren Depotbanken zunehmend mit verschiedenen Arten von KI, wie z.B. dem maschinellen Lernen. Kirsty Roth, Global Head Operations bei HSBC, vertrat an der Sibos 2017 Toronto die Meinung, dass die Technologie letztendlich den Mitarbeitenden im Back- und Middle-Office zugutekommen wird. «Diese Mitarbeitenden haben ziemlich langweilige Aufgaben erledigt, jetzt müssen sie das nicht mehr», erklärte sie. «Sie klettern auf der Wertkurve nach oben, was für ihre berufliche Entwicklung besser ist.» Auch die Befürchtung, durch «intelligente» Maschinen ersetzt zu werden, scheint in der Wertschriftenindustrie nicht sehr verbreitet zu sein. In einer kürzlich vom Global Custodian Magazin durchgeführten Umfrage glaubte nur einer von 39 Befragten, dass seine Position bis Ende 2020 automatisiert sein würde.