In einem Markt, in dem die Margen rapide schrumpfen und Regulierung die Einnahmen bedroht, ist die Versuchung gross, kostenintensive manuelle Prozesse durch Robotik- oder KI-Lösungen (KI = Künstliche Intelligenz) zu ersetzen. Die Experten, die am Network Forum in Wien (25.-27. Juni 2018) teilnahmen, sind sich unsicher, ob es sich bei dieser Technologie in Wirklichkeit um Sparen am falschen Ende handelt.

In der Theorie sollte es kostensparend und effizienzsteigernd sein, Menschen von repetitiven oder monotonen Arbeitsabläufen abzuziehen. Ein Teilnehmer auf dem Podium («Artificial Intelligence & Robotics») argumentierte allerdings, dass viele der Funktionen in der Post-Trade-Industrie bereits weitestgehend vollautomatisch ablaufen, was Fragen dahingehend aufwirft, ob Tools aus dem Bereich der robotergesteuerten Prozessautomatisierung (RPA) angesichts der Kosten der Integration dieser Technologie gerechtfertigt sind.

Die tatsächliche Dimension wird sich erst zeigen, wenn Maschinenlernen, Deep Learning und Robotik wirklich integriert sind. Einem Teilnehmer zufolge würde das intelligente Roboter in die Lage versetzen, Transaktionen zu überwachen und auf Probleme oder Unregelmässigkeiten hinzuweisen, damit diese geprüft werden können. KI-Tools könnten es Depotstellen darüber hinaus ermöglichen, Daten zu Geld zu machen, indem sie die Informationen, die sie haben, zusammenstellen und dann an Kunden verkaufen.

Der Blick in die Zukunft

Eine von SIX 2017 in Auftrag gegebene Studie kam zu dem Ergebnis, dass 63% der Entscheidungsträger davon ausgehen, dass KI und RPA im Jahr 2027 in mindestens einer Post-Trade-Funktion genutzt werden.

Ein grosser Teil der Befragten gab an, KI würde im Bereich Finanzdienstleistungen in Gebieten wie Einhaltung regulatorischer Vorschriften, Kundendienst, Collateral Management und Margin-Call-Verarbeitung zum Einsatz kommen.

Nino Ciganovic, Head Global Relationship & Network Management, Mitglied der Geschäftsleitung, Securities & Exchanges, SIX, sagte, KI werde immer stärker Teil der täglichen Arbeit. Er fügte hinzu, die Technologie würde in der Post-Trade-Industrie immer flächendeckender eingesetzt.

Auch RPA wird – dadurch, dass sie den Menschen bei repetitiven und monotonen Arbeitsabläufen überflüssig macht – der Post-Trade-Industrie eine Reihe von Vorteilen bringen. In der SIX-Studie gaben 68% der Befragten an, RPA würde zu Kosteneinsparungen führen. 57% waren der Ansicht, sie würde einen Beitrag zu Effizienzsteigerungen im Geschäftsalltag leisten.

Nino Ciganovic betonte, dass der durch KI ermöglichte Rückgang arbeitsintensiver Rollen in der Post-Trade-Industrie den Arbeitnehmern sehr stark zugutekommen könnte, da diesen anspruchsvollere und interessantere Projekte zugewiesen werden könnten, die den Kunden einen Mehrwert bringen. Wir bleiben am Ball – zum Wohle unserer Kunden!