In seinem neuesten Blog zitierte ein bekannter britischer Kommentator für Finanzdienstleistungen eine aktuelle Studie von Deloitte, die zeigt, dass neun von zehn Blockchain-Versuchsprojekten ins Leere laufen. Tatsächlich sind nur 8% der 2016 gestarteten Blockchain-Projekte noch immer existent. Gleichzeitig mangelt es nicht an wahrgenommenen Anwendungspotenzialen für die Distributed Ledger Technologie (DLT) im Finanzdienstleistungsbereich.

Das Collateral Management ist ein Bereich, in dem laufende Versuchsprojekte vielversprechend sind. Teils aufgrund des Marktdrucks, teils aufgrund der Art der Informationen, die im Rahmen einer Collateral Management-Transaktion erfasst und übertragen werden müssen.

In einem Bericht des Global Custodian-Magazins wurde Ende 2017 festgestellt, dass viele hochwertige Sicherheiten bei zentralen Gegenparteien («Central Counterparties», CCPs) gehalten werden. Weiter bauen Banken zur Erfüllung der Eigenkapitalvorschriften von Basel III einen hohen Bestand an qualitativ hochwertigen liquiden Vermögenswerten (HQLAs) auf. Somit wächst die Befürchtung, dass Finanzinstitute Schwierigkeiten bekommen könnten, Pools von geeigneten Sicherheiten zu identifizieren, die sie für Margining-Zwecke bei ihren CCPs einsetzen könnten. Das Problem ist eher eine Frage der Umlaufgeschwindigkeit von Sicherheiten als eine Frage der tatsächlichen Knappheit.

Collateral Management – sicher und reibungslos

Margen können in Zeiten von Marktstress täglich oder untertägig («intraday») abgerufen werden. In solchen Fällen müssen die Prozesse des Collateral Managements reibungslos ablaufen. Dieser Wunsch nach Sicherheit und einem reibungslosen Collateral Management ist einer der Gründe, warum eine Reihe von Depotstellen die neue, von der Londoner LCH errichtete segregierte Depot-/Kontostruktur unterstützen. Sie ermöglicht es Derivatnutzern, Sicherheiten direkt bei der CCP zu hinterlegen und so das Eigentumsrecht an den Vermögenswerten zu behalten.

Auch andere Initiativen im Zusammenhang mit Sicherheiten wurden öffentlich bekannt: Citi und CME Clearing haben sich mit Baton Systems zusammengetan, um eine auf Blockchain basierende Plattform zu implementieren, die es Banken ermöglicht, in Echtzeit ihre Sicherheiten in ihren Büchern einzusehen und Bargeld oder Wertschriften mit einem Klick an Clearingstellen zu senden. In einem verwandten Bereich stellte der IT-Finanzdienstleister Broadridge 2017 einen Konzeptnachweis («Proof of Concept», PoC) vor, in dem er die erste auf einer Blockchain-Plattform abgewickelte Repo-Transaktion pilotierte.

Collateral Management + T2S

Auch für TARGET2-Securities (T2S) war die einfachere Mobilisierung von Sicherheiten ein zentrales Ziel: Im November 2017 ging Clearstream mit einer Triparty Collateral Management-Dienstleistung an den Start, der es Banken ermöglicht, Vermögenswerte über ihre Zentralverwahrer («Central Securities Depositories», CSDs) hinweg zu mobilisieren. Diese Dienstleistung nutzt die Funktionalität von T2S und ermöglicht die Übertragung von Vermögenswerten zwischen Clearstream Banking Luxembourg, ihren internationalen CSDs und dem deutschen CSD mit Sitz in Frankfurt. Euroclear hat unterdessen damit begonnen, eine Struktur einzuführen, die es den Banken ermöglicht, Vermögenswerte, die in T2S gehalten werden, zur Finanzierung von Nicht-EU-Positionen zu verwenden.

Und was ist mit Post-Trading?

In einigen, auf Blockchain basierenden Initiativen ausserhalb Europas ist das Collateral Management Bestandteil einer breiten Palette von Post-Trade-Funktionalitäten. Anfang 2018 bestätigte die Australian Stock Exchange (ASX) ihre Pläne, ihr gesamtes Post-Trade-System, einschliesslich Clearing und Abwicklung aller Aktientransaktionen, durch die Blockchain-Technologie zu ersetzen.

Im Januar 2018 unterzeichnete eine CSD-Arbeitsgruppe zum Thema DLT eine Absichtserklärung («Memorandum of Understanding») über die angewandte Nutzung von DLT im Post-Trade-Sektor. Die Arbeitsgruppe umfasst SIX Securities Services, Strate (Südafrika), Nasdaq (CSD im Baltikum und weltweiter CSD-Technologieanbieter), DCV (Chile), Caja de Valores (Argentinien), ADX (Vereinigte Arabische Emirate), SWIFT NSD (Russland) und SWIFT. Der Schwerpunkt liegt zunächst auf der Schaffung geschäftlicher Rahmenbedingungen für die Nutzung digitaler Assets im Post-Trade-Bereich.

Trotz der Beobachtungen von Deloitte zum bisherigen Stand von Blockchain-Konzeptnachweisen wird sich DLT im Jahr 2018 wohl weiter etablieren und dazu beitragen, dass die Skepsis der Märkte bezüglich der Sicherheiten ausgeräumt wird.

Roger Storm

Roger Storm, Head Risk Operations & Business Development, SIX x-clear, wird diese und verwandte Themen in einer Podiumsdiskussion zum Thema «Next Level Collateral Management» bei der Veranstaltung Market360: Post-Trade 2018.