Als eines der Bollwerke gegen systembedingte Marktereignisse ist die Stabilität der zentralen Gegenparteien (Central Counterparty Clearing Houses, CCP) von entscheidender Wichtigkeit für Regulierungsbehörden weltweit. Aus diesem Grund prescht die Europäische Kommission regelmässig mit neuen Regulierungen der Überwachung, Sanierung und Abwicklung von CCPs vor. Jetzt hat sie vorgeschlagen, dass die ESMA, die europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (European Securities and Markets Authority), die Aufgabe bekommt, CCPs aus der EU und von ausserhalb zu überwachen, um Unstimmigkeiten in den regulatorischen Verfahren der einzelstaatlich zuständigen Behörden zu vermeiden.

Beim Network Forum in Wien Ende Juni 2018 sagte Roger Storm, Head Regulation, Risk & Committees, SIX x-clear, europaweit gültige Standards für die Risikovermeidung und Sanierung von CCPs seien zu begrüssen und würden gleiche Ausgangsbedingungen für konkurrierende Infrastrukturen schaffen. Allerdings verliehen einige der Podiumsteilnehmer ihrer Sorge Ausdruck, dass diese Vorschläge die Entwicklungsmöglichkeiten der CCPs einschränken und deutliche Mehrkosten mit sich bringen könnten.

Europäische Stresstests für CCPs haben gezeigt, dass sie sehr widerstandsfähig sind. Der Fokus der Aufsichtsbehörden hat sich daher auf das Risiko des Ausfalls einer CCP aus anderen Gründen als des Ausfalls eines Clearing-Mitglieds («Non-Default Losses») und die Frage, wer haftbar ist, verschoben. Auf dem Podium wurde das Verursacherprinzip diskutiert, das besagt, dass jene Parteien, die an der Entscheidung von Projekten oder Investitionen beteiligt sind dann auch finanziell dafür haften. Allerdings geht es hier nicht nur um zusätzlich eingeforderte Sicherheiten wie beispielsweise bei einem Cyberangriff. Darüber hinaus sind die CCPs laut den neuen Regeln auch verpflichtet, das Risiko ihrer Zulieferer wie Abwicklungsbanken, Zahlungsbanken und Repo-Gegenparteien zu prüfen. Damit sind auch Banken betroffen, und zwar nicht nur als Nutzer der CCP, sondern auch als deren Dienstleister.

Auch der Brexit wurde angesprochen. Bedenken ruft vor allem die Tatsache hervor, dass ein grosser Teil der in der EU ausgegebenen Wertpapiere in London gehandelt und gecleart wird. Es wurde darauf hingewiesen, dass eine Aufspaltung der Handelsströme und des Clearings zu Fragmentierung, potenziellen Liquiditätsengpässen und höheren Margenkosten für Clearing-Mitglieder führen wird. Die Diskussionsteilnehmer gaben zu, dass die Vorbereitung auf den Brexit angesichts der Unsicherheit über die Bedingungen nicht eben geradlinig verläuft. «Der Brexit hat viele Unbekannte, und die CCPs müssen im Ergebnis mit sehr viel Unsicherheit umgehen», so Roger Storm. Er bekräftigte die Servicekontinuitätszusage von SIX und bestätigte, dass das Unternehmen sich um eine Lizenzerneuerung im Vereinigten Königreich bemüht, wie es die Bank of England jetzt für alle Finanzunternehmen von ausserhalb der EU fordert. Ausserdem wies er auf die bereits bestehende ESMA-Anerkennung und das damit verbundene Recht, Produkte und Dienstleistungen in der gesamten EU / im gesamten EWR anbieten zu dürfen («Passporting and Servicing Rights»), hin.