Die digitale Revolution verändert unsere Beziehungen grundlegend: die Welt der Arbeit, der Gesellschaft, der Wirtschaft, der Kultur und der Politik. In allen Ländern, auf allen Kontinenten, rund um die Welt. Sie hat sämtliche Branchen erfasst, die bestehenden Wertschöpfungsketten aufgebrochen und etablierte Geschäftsmodelle radikal infrage gestellt. Der Wandel vollzieht sich so rasant, dass es nicht leicht fällt, damit Schritt zu halten. Wir können uns schwerlich vorstellen, wie unser Leben in naher, geschweige denn in ferner Zukunft aussehen wird: Fährt mein Auto schon nächstes Jahr selbstständig? Brauche ich bald kein Bargeld mehr? Wie kommunizieren wir in zehn Jahren miteinander? Kümmern sich Roboter im Alter um mich?

Was bedeutet die Zukunft der Digitalisierung für uns? Niemand kennt die Antworten darauf. Sicher ist nur, dass die Folgen dieser alles durchdringenden Transformation weitreichend sind und alle Ebenen des menschlichen Seins und Tuns erfassen werden.

SIX – fast 50 Jahre Digitalisierung

Unter dem Begriff «Digitalisierung» wird in einem engeren Sinn die Überführung physischer Objekte bzw. analoger Medien in digitale Informationen und Daten verstanden. Ein Vorteil ist, dass digitale Informationen und Daten schneller und universeller gekauft, verkauft, verarbeitet, registriert und verteilt werden können. Sie benötigen deutlich weniger Platz als ihre analogen Pendants und sind wesentlich haltbarer und sicherer.

Die Beispiele in der Schweiz sind zahlreich. Nehmen wir zum Beispiel den Fall SIX Securities Services: Als Zentralverwahrerin für die Schweiz wurde 1970 mit der Gründung von SIS AG (heute Teil von SIX Securities Services) der Grundstein für das heutige Post-Trade-«Kraftwerk» gelegt, das die Dematerialisierung, Immobilisierung und Registrierung aller in der Schweiz emittierten physischen Wertschriften zum Auftrag hatte. Digitalisierung in ihrer reinsten Form.

Für die Schweizer Börse – heute Teil von SIX – markierte jedoch bereits das Jahr 1995 den Beginn einer neuen Epoche: Damals stellte die Schweizer Börse als erste Börse der Welt vom Ringhandel auf den vollelektronischen Handel um. Mit der Digitalisierung der Handelsbörse reagierte SIX auf die wachsende Globalisierung, als sich viele Unternehmen vermehrt über den Kapitalmarkt zu finanzieren begannen. Die Emission von Wertpapieren stieg bald so stark an, dass die Handelsvolumen nicht mehr mit herkömmlichen Mitteln bewältigt werden konnten. Die Lösung lag auf der Hand: Die analogen Daten mussten digitalisiert werden. Durch die elektronische Integration zunächst ausländischer, dann auch schweizerischer Aktien explodierte der Aktienhandel regelrecht: Der Swiss Market Index (SMI) stieg allein im Jahr 1997 um 59%. So starteten der Finanzplatz Schweiz und SIX mit viel Rückenwind in das digitale Zeitalter, noch bevor dieses offiziell begann. 

SIX digitalisiert die Papierrechnung, die Brieftasche und das Grundbuch – und ist somit das A und O der digitalen Schweiz

SIX gehört zu den führenden Anbietern von Infrastrukturen für digitale Finanztransaktionen und setzt sich aktiv für eine stärkere Digitalisierung in der ganzen Schweiz ein. So hat das Unternehmen etwa die Papierrechnung digitalisiert. Diese sogenannte eBill ermöglicht eine schnelle, einfache, günstige und sichere Fakturierung. 2018 ging die eBill in Sachen Digitalisierung noch einen Schritt weiter: Sie ist nun für mobile Endgeräte nutzbar. 

Die QR-Rechnung löst ab dem 3. Quartal 2019 die orangen und roten Einzahlungsscheine ab. Die neue, zukunftsorientierte Lösung ermöglicht es den verschiedenen Interessensgruppen, die Herausforderungen durch Digitalisierung und Regulierung effizient zu bewältigen. Beispielsweise wird mit der Einführung der QR-Rechnung der Wechsel auf die komfortable eBill für die Konsumenten weiter vereinfacht. Die neue QR-Rechnung enthält den QR-Code mit einem Schweizer Kreuz als Erkennungsmerkmal und enthält alle für die Zahlung notwendigen Informationen in digitaler Form. Er bildet zusammen mit den aufgedruckten Informationen den Zahlteil der QR-Rechnung im Format A6.

Auch zum klassischen Zahlungssystem mit Bargeld hat SIX eine innovative Ergänzung auf den Markt gebracht: Mit der Bezahl-App TWINT digitalisiert SIX die Brieftasche. TWINT kann verwendet werden, um mit dem Smartphone zu bezahlen, sei es an der Kasse im Supermarkt, beim Pizzakurier, im Hofladen oder im Online-Shop. Über die mobile Bezahllösung können die Nutzer einander auch unkompliziert Geldbeträge senden.

Eine weitere spannende Anwendung, die SIX im Rahmen der Digitalisierung entwickelt hat, ist Terravis, das elektronische Auskunftsportal für Grundbuchdaten und Daten der amtlichen Vermessung in der Schweiz. Die Plattform bietet bereits heute Zugriff auf Daten von rund 4,5 Millionen Grundstücken. Mit Terravis können Hypothekar-, Grundstück- und Handelsregistergeschäfte über eine einzige Schnittstelle elektronisch abgewickelt werden. Dies beschleunigt die entsprechenden Prozesse, verringert Fehlerquellen und entlastet Wirtschaft und öffentliche Verwaltung.

In der Pipeline: die Digitalisierung der Identität

Für die Schweizer Bevölkerung bringt die digitale Transformation bald eine weitere grundlegende Neuerung mit sich. Die Innovation basiert auf der Digitalisierung der Identität. In unserem analogen Alltag können wir mit der Identitätskarte oder dem Reisepass problemlos nachweisen, wer wir sind. Im Internet ist dieser einfache Vorgang jedoch derzeit noch sehr umständlich.

Zusammen mit acht weiteren Unternehmen ist SIX daran, eine national und international nutzbare eID zu entwickeln. Mit dem staatlich anerkannten elektronischen Identitätsnachweis wird das Einkaufen und Bezahlen im Internet einfacher und sicherer. Verträge können rechtsgültig online abgeschlossen werden. Auch die Steuererklärung, die zwar längst elektronisch erfasst werden kann, aber noch immer analog freigegeben werden muss, kann künftig digital übermittelt werden. Die Digitalisierung der Identität wird den Alltag somit nochmals massiv verändern und vereinfachen.

Und die digitale Revolution geht weiter

Was vor einigen Jahrzehnten mit dem elektronischen Erfassen von Bildern, Texten, Audiodateien und Filmen begann, ist zu einer Umwälzung von unfassbarem Ausmass geworden. Die Chancen sind riesig, sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen und Staaten. Die Digitalisierung hat zu einer Informationsexplosion geführt, die ein enormes Potenzial birgt – das wir aber auch bewältigen müssen. Unzählige Produktionsprozesse wurden und werden laufend automatisiert, der nie ermüdende Roboter ersetzt zunehmend den Arbeiter. Durch die Möglichkeiten des Internets entstehen aber auch neue Branchen und Unternehmen, neue Arbeitsformen und Geschäftsmodelle.

Für SIX, die weltweit den Informations- und Geldfluss zwischen Banken, Händlern, Investoren und Dienstleistern sichert, bleibt die digitale Revolution in mehrfacher Hinsicht eine Herausforderung. Um auch künftig bestehen zu können, setzt das Unternehmen auf die beiden Hauptpfeiler Innovation und Stabilität. Erfahrene, zukunftsorientierte Mitarbeitende optimieren die bestehenden Dienstleistungen und entwickeln laufend neue Systeme und Angebote für die Finanztechnologie der Zukunft. Erfolgreich können diese Neuerungen aber nur in einem Umfeld sein, das langfristige Planungssicherheit bietet. Der Wirtschaftsstandort Schweiz muss stabil bleiben und der Finanzplatz reibungslos funktionieren – auch in Krisensituationen oder bei hektischen Finanzmärkten. Ebenso wichtig ist für SIX deshalb, das Bewährte zu pflegen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes langfristig zu stärken.

Und die digitale Revolution geht weiter. Alle Unternehmen sind gefordert, ihre internen Strukturen und Prozesse, ihre Mitarbeiterkultur, ihre Geschäftsstrategien und insbesondere die Beziehungen zu ihren Kunden fundamental zu überdenken, an die veränderten Gegebenheiten anzupassen und flexibel zu bleiben – Stichwort «digitale Geschäftstransformation».

Immer mehr Bereiche unseres Alltags werden davon erfasst; täglich kommen neue Anwendungen auf den Markt. Mit dem «Internet der Dinge», der Vernetzung physischer und virtueller Objekte, ist die Digitalisierung längst über unsere grossen und kleinen Bildschirme hinausgewachsen. Das wirft Fragen auf: Führt die Digitalisierung letztlich zu einer völlig veränderten Welt? Oder erhält das Analoge, Physische, Sinnliche, «Echte» plötzlich wieder einen neuen Wert? Hat die Digitalisierung Grenzen? Und wenn ja – wann, wo und wie werden sie sich zeigen? Wir leben zweifelsohne in einer interessanten Zeit.

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