Die Einnahmen aus Wertpapierdienstleistungen haben sich in den letzten zehn Jahren praktisch nicht verändert. Ein Bericht von McKinsey zeigt, dass die Branche seit 2010 lediglich um 3% p.a. gewachsen ist, da sie mit einem Anstieg der regulatorischen Kosten und einem zunehmenden Preisdruck seitens der Kunden zu kämpfen hat. Um dieser Herausforderung gerecht zu werden, muss die Branche in Technologie investieren und viele der manuellen Prozesse in der Wertschriften-Transaktionskette digitalisieren. Durch eine verbesserte Automatisierung und den Wegfall intermediärer Dienstleistungen könnte sich das Wachstum in der Wertpapierindustrie beschleunigen.

Die Podiumsgäste des «Network Forum» in Wien (25.-27. Juni 2018) räumten ein, dass disruptive Technologien wie Blockchain und Künstliche Intelligenz (KI) zwar eine Rolle in der Branche spielen, dass ihre Integration in systemisch bedeutsame Infrastrukturen aber auch ein durchdachtes Risikomanagement erfordere. Valerio Roncone, Head Product Management & Development, Mitglied der Geschäftsleitung, Securities & Exchanges, SIX, erklärte, dass die Schweizer Börse als systemisch bedeutsames Finanzinstitut streng reguliert werde. Der Einsatz solcher disruptiven Technologien erfordere eine entsprechende Kenntnis der operativen Abläufe und reichlich Erfahrung.

Die Einbindung dieser Technologie ist ein Lernprozess und braucht Zeit.

Valerio Roncone, Head Product Management & Development, Member of the Management Committee, Securities & Exchanges, SIX

Wenn der Technologiewandel bei systemisch bedeutsamen Finanzinstituten aufgrund mangelnder Weitsicht hinsichtlich der Interoperabilität oder der Risiken nicht richtig umgesetzt wird, könnten die Märkte zum Stillstand kommen. Ein anderer Diskussionsteilnehmer stimmte zwar zu, fügte aber hinzu, dass es klug wäre, wenn grosse Institute ein kontinuierliches Programm für den Technologiewandel einführen würden, mit monatlichen schrittweisen Anpassungen, um mit den Entwicklungen auf dem Markt Schritt halten zu können. Dieser Ansatz würde auch dazu beitragen, die Kosten und das Risiko für grosse, einmalige Systemupgrades zu minimieren.

Nach der anfänglichen Begeisterung im Hinblick auf die Möglichkeiten, die Technologien wie Blockchain offerieren, werden viele Branchenteilnehmer nun pragmatischer und erkennen, dass Clearing, Settlement und Custody durch diese Innovationen in absehbarer Zeit nicht verdrängt werden, wie Valerio Roncone feststellte. Disruptive Technologien haben zwar das Potenzial, bei einigen manuellen Prozessen unnötige Kosten eliminieren zu können, doch die am «Network Forum» teilnehmenden Anbieter scheinen angesichts der hohen Risiken eher einen konservativen Ansatz bei der Umsetzung zu verfolgen.