Normen sind unerlässlich

Immer wenn die Begeisterung über neue Technologien einen Höhepunkt erreicht, beginnen jene, die damit betraut sind, diese Technologien in die allgemeinen Arbeitsabläufe zu integrieren, Fragen zu stellen. Diese Zurückhaltung hat nichts mit mangelndem Enthusiasmus zu tun. Vielmehr ist es die Anerkennung der Tatsache, dass jede neue Technologie mit dem zusammenarbeiten muss, was bereits da ist, wenn sie erfolgreich eingeführt werden soll – zumindest auf kurze bis mittlere Sicht. Das macht Normen erforderlich.

Während der Sibos 2017 Toronto wurde diese Problematik in mehreren Diskussionen angerissen, aber in einer – «New Technologies and Business Standards» – war sie das zentrale Thema. Dabei wurde überzeugend dargelegt, dass es den Endnutzern egal ist, auf welcher Technologie eine Lösung beruht: Sie beurteilen sie danach, ob sie ihre Erwartungen erfüllt. Das bedeutet, es ist erforderlich, dass wir uns auf ausreichend gemeinsame Verfahren und Abläufe für einen effizienten Informationsfluss innerhalb und zwischen den betroffenen Organisationen einigen.

ISO 20022 – ein Weg zur Entwicklung von Nachrichtennormen

Seit einigen Jahren bewirbt die SWIFT die ISO-Norm 20022 nun schon als die Norm, die die Branche zusammenhalten soll. In einem zur Sibos veröffentlichten Diskussionspapier unterstrich die Genossenschaft der Geldindustrie, dass in der weltweiten Finanzbranche mehr als 220 Anträge für Verabschiedungen von Normen gemäss ISO 20022 vorliegen. In diesem Papier wird angemerkt, ISO 20022 sei als gemeinsame Geschäftssprache für den Finanzmarktplatz gut etabliert und fungiere als vereinendes Element für neue und gegensätzliche FinTech-Innovationen wie etwa Distributed-Ledger-Technologie (DLT), Smart Contract (SC) und Programmierschnittstellen (API). Der optimale Weg zur Umsetzung einer FinTech-Lösung sei Interoperabilität durch die Nutzung von ISO-20022-Normen für Finanznachrichten.

ISO 20022 wurde von der Internationalen Organisation für Normung (ISO) entwickelt, um Nachrichtennormen für die Finanzindustrie zu schaffen. Ziel ist es, den Datenaustausch zwischen Finanzinstituten und mit deren Kunden, Nutzern und Lieferanten sowie Marktinfrastrukturen und Regulierungsbehörden zu vereinfachen. ISO selbst beschreibt die Norm als eine einfache, gemeinsame Sprache für sämtliche Finanzkommunikation mit dem Ziel, die Interoperabilität zwischen allen Parteien unabhängig davon, wo die Geschäfte getätigt werden, sicherzustellen.

Da die ISO-Norm 20022 sehr umfassend ist, kam in der Diskussion während der Sibos die Frage auf, ob sie beweglich genug für API und DLT-basierte FinTech-Innovationen sei. Da die ISO-Norm 20222 verstärkt auch für Industrienachrichten genutzt wird, die über den einfachen Zahlungsverkehr hinausgehen, würde ihre Verwendung für API insbesondere jenen Instituten zugutekommen, die sich bereits mit der Norm auskennen.

Die ISO-Norm für API

Im Nachgang zur Sibos 2017 Toronto beschlossen im November 2017 23 Länder, unter Federführung des ISO TC68 Financial Services, mit China, Singapur und Grossbritannien daran zu arbeiten, Ressourcen zu bündeln, um die erste ISO-Norm für API im Bereich Finanzdienstleistungen zu entwickeln. Ende Januar 2018 veröffentlichten die Mitglieder der ISO 20022 Registration Management Group und der Technical Support Group das Dokument «ISO 20022 and JSON: An Implementation Best Practices Whitepaper».

DLT und fehlende Standardisierung

Was DLT anbetrifft, so befinden sich die meisten Projekte noch in der Machbarkeitsprüfung («Proof-of-Concept», PoC). Im Januar 2018 unterzeichneten SWIFT und sieben Zentralverwahrer allerdings eine Absichtserklärung. Sie wollen zusammenarbeiten um zu zeigen, wie sich DLT in Post-Trade-Szenarien wie der Verarbeitung von Corporate Actions einschliesslich Abstimmung und Stimmrechtsvertretung umsetzen liesse. SIX Securities Services gehört zu dieser Gruppe.

Die International Securities Services Association (ISSA) sprach der Gruppe kürzlich ihre Unterstützung aus und nahm sie in einen neuen Arbeitsbereich innerhalb der bestehenden DLT-Arbeitsgruppe auf. Thomas Zeeb, Division CEO SIX Securities Services und ISSA-Präsident: «Die Arbeitsgruppe der Zentralverwahrer reagiert mit ihrer Arbeit zu DLT auf eine der grossen Herausforderungen im Zusammenhang mit neu aufkommenden Technologien, nämlich den deutlichen Mangel an Normen. In der weiteren Entwicklung der Branche werden DLT-spezifische Normen wie ISO 20022 eine solide Grundlage sowohl für bestehende Geschäftsinhalte als auch als Strategie bilden.»